Knochenmarkspende
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Wie schon am Anfang erwähnt, wurde ich auf das Thema Stammzellenspende bzw. Knochenmarkspende vor knapp drei Jahren aufmerksam, als ein Arbeitskollege an Leukämie erkrankte und für diesen ein passender Stammzellenspender gesucht wurde. Auch ich ließ mir im Rahmen einer Typisierungsaktion, die von meinem Arbeitgeber (Hubert Burda Media) organisiert wurde, Blut abnehmen. Dieses wird dann auf verschiedene Merkmale getestet und die Angaben wandern in die Datei. Man erhält einen Spenderausweis mit einer Spendernummer – und dann passiert meistens lange nichts.

Sollte eine Übereinstimmung der Gewebemerkmale mit einem Patienten festgestellt werden (diese müssen zu fast 100% übereinstimmen) erhält man eine Nachricht und einen ausführlichen Gesundheitsfragebogen, damit mögliche aktuelle Ausschluss- kriterien für eine Spende frühzeitig erkannt werden können (beispielsweise frühere Krebserkrankungen usw.). Anschließend erfolgt eine Bestätigungstypisierung (CT), bei der Gewebemerkmale anhand einer weiteren Blutprobe nochmals analysiert werden. Die CT kann z. B. beim eigenen Hausarzt erfolgen. Des Weiteren wird das Blut auf bestimmte Infektionserreger wie z.B. HIV oder Hepatitisviren geprüft. Anhand dieser Ergebnisse wird entschieden, ob man zu hundert Prozent der passende Spender für den Patienten ist. Sollte dies auch alles erfolgreich verlaufen sein, steht der Termin für die Voruntersuchung an.

Bei mir war dies der 02.06.2014 bei der Cellex Gesellschaft für Zellgewinnung mbH in Köln. Aufgeregt, was man mit mir alles Anstellen würde, machte ich mich auf den Weg nach Köln. In der Cellex Klinik am Mediapark wurde ich gleich freundlich in Empfang genommen und fühlte mich in einem familiären Umfeld sofort wohl. Die Anspannung löste sich.

Im Wartezimmer erklärte mir eine Mitarbeiterin der Klinik nach Kontrolle meiner Personalien den Ablauf der Voruntersuchung und händigte mir hierzu ein Informationsblatt aus. Auf diesem stand, welche Stationen ich durchlaufen würde, damit ich selber auch einen Überblick darüber habe, ob alles gemacht wurde. Zusätzlich erhielt ich einen Aufnahmebogen, Informationsmaterial zum Ablauf der Spende, Einverständniserklärungen, eine Erklärung zum Datenschutz sowie erneut einen Gesundheitsfragebogen zum Ausfüllen. Damit war ich erst mal beschäftigt. Sollten sich noch irgendwelche Fragen ergeben, könne ich diese später den Ärzten stellen. Nachdem ich alles gelesen und bearbeitet hatte, bekam ich einen Informationsfilm vorgeführt. In dem Film stellte sich zunächst das Team der Klinik vor und es wurden die Räume gezeigt. Man erklärte den Ablauf der Spende sowie das Apheresegerät (Zellseparator), an das man während der Spende angeschlossen wird.

Außerdem wurde erklärt, wie man die Granocyte Injektionen, die für eine Freisetzung der Stammzellen benötigt würden, selber vorbereitet und sich selbst injiziert. Ganz schön viele Informationen. Nach dem Film empfing mich eine sehr nette Ärztin. Sie führte zunächst ein ausführliches Anamnesegespräch mit mir. Informationen über Vorerkrankungen von mir oder in meiner Familie würden eventuell auch wichtig sein. Außerdem gingen wir gemeinsam noch mal den Gesundheitsfragebogen durch. Es folgte eine körperliche Untersuchung. Reflexe der Gelenke, Abhören von Lunge und Bronchien, Auswahl der Venen für die Spende und Abtasten des Körpers. Es wurde eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt und ein EKG geschrieben. Danach kam es nochmals zur Blutabnahme. Wenn jetzt mit den Blutwerten noch alles in Ordnung wäre, wüsste ich, dass ich kerngesund bin und es zur Spende kommt. Dafür musste aber das Ergebnis der Blutuntersuchung abgewartet werden. Ich wurde gefragt ob ich noch Fragen hätte, konnte dies aber verneinen, da im Gespräch mit der Ärztin, den Damen von der DKMS sowie im Informationsfilm und den Informationstexten alles ausführlich erklärt worden war. Sie händigte mir die anhand meines Körpergewichts und des Körpergewichts des Patienten berechnete Menge an Granocyte aus und erklärte mir erneut, wie ich das Medikament vorbereiten und injizieren musste und entließ mich dann bis zum Tag der Spende.

Die Vorbereitung auf die Spende

Angst vor Nadeln und Blut habe ich nicht. Aber sich selbst zu piksen/stechen das erfordert doch schon ein wenig Überwindung. Überwindung die ich auch nach mehreren Anläufen nicht hatte. Aber alles kein Problem - so organisierte die DKMS mir einen Pflegedienst, der mich 2-mal täglich spritzen sollte. Es handelt sich hierbei um den Wirkstoff Lenograstim mit dem Handelsnamen GRANOCYTE®.
Dies ist ein auch im Körper vorkommende Wachstumsfaktor mit dem Namen G-CSF (Granulocyte-Colony Stimulating Factor) und ist ein hormonähnliches Präparat.

Hierdurch wird das Stammzellenwachstum angeregt, so dass die Stammzellen in das Blut ausgeschwemmt werden. Dadurch lassen sich die überschüssigen Stammzellen bei der Apherese bequem aus dem Blut abfischen. Auch dies verlief sehr gut und ich konnte am Sonntag den 22.06. wiederum die Reise nach Köln antreten. Auch dieses Mal empfingen mich die Mitarbeiter der Cellex Gesellschaft für Zellgewinnung mbH sehr freundlich und verabreichten mir sowohl Sonntagabend als auch Montag morgens die letzten Granocyte-Spritzen. Nebenwirkungen hatte ich bis dato schon sehr heftige: Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und Fieber. Dies alles wurde mit Paracetamol bekämpft, was mir auch die DKMS schon mit den Spritzen bei der Voruntersuchung ausgehändigt hatte.

DIE STAMMZELLENSPENDE

Am Montag, den 23.06.2014 war es endlich soweit. Ich durfte/musste um 5:30 Uhr aufstehen, da man mich um 06.30 Uhr bereits in der Cellex-Klinik erwartete. Ich kam in einen Raum in dem schon zwei andere junge Männer lagen. Ein Mann aus Osnabrück und auch ein Badener aus Karlsruhe. Dann wurden zwei venöse Zugänge gelegt - einer links in der Armbeuge und einer rechts am Handrücken. Leider musste bei mir 2-mal nachgestochen werden, da meine Venen zu klein/schmal waren. Auch der Eingangsdruck mit dem das Blut in den Zellseperator geleitet wurde war anfangs sehr niedrig, sodass sie die Durchlaufzeit nicht erhöhen konnten. So prangte links über mir eine große Zahl: 420 Minuten - na super: 7 Stunden durfte ich jetzt auf dieser Liege liegen und meinen Arm nicht bewegen. Das waren ja phantastische Aussichten. So lief das Blut links aus mir heraus, durch den Zellseperator, dort wurden die Stammzellen herausgefiltert, und der Rest lief rechts wieder in mich hinein (so die Grobversion)
Durch Filme schauen (Fast & Furious) und Gespräche verging die Zeit trotz Schmerzen im Arm recht schnell. Ständige Kontrolle der anwesenden Ärzte und Pfleger garantieren größtmöglichen Schutz des Spenders. Nur Schlafen ist nicht drin, da die Vitalfunktionen leider nicht überwacht werden können. Ganz ehrlich: Wer kann bei so einer Aufregung schlafen?? Zum Schluss konnte die Durchlaufzeit doch erheblich reduziert werden, sodass ich nicht 7 Stunden an der Maschine hing, sondern nur knapp 5 Stunden. Starke Schmerzen im Arm, blaue Flecke, ein kleiner Bluterguss zeugen noch heute von meiner Spende. Auch bin ich sehr müde und einfach nur fix und fertig. Die Spende setzt dem Körper schon sehr zu. Aber dennoch würde ich es immer wieder tun!!

Ich bin sehr froh und glücklich einer 48-jährigen Frau aus den USA helfen zu können. Drücken wir die Daumen, dass alles gut verläuft!!

Hier endet Christians Geschichte zunächst. Und auch wenn man sich das nicht aussuchen kann - ich finde es klasse, dass Christian sich nicht nur hat typisieren lassen, sondern es auch, als es “ernst” wurde, durchgezogen hat. Da kann ich nur den bildlichen Hut vor ziehen. Wie ihr wisst, weitere Infos findet ihr im ersten Teil der Geschichte - und ich würde mich freuen, wenn der eine oder die andere sich durch diese berichte animiert fühlt, sich selber auch typisieren zu lassen. Wer weiss, vielleicht sind noch mehr Lebensretter unter euch. Ein Versuch wäre es doch wert - was meinst DU?

Christian Spende