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Mitgliederversammlung
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Der Sportclub Freiburg zwischen Volker Finke und Robin Dutt – ein Spannungsbogen, der sich sowohl in einer turbulenten Rückrunde der letzten Saison entladen hat, als auch auf der diesjährigen Mitgliederversammlung entladen würde. So war es zumindest zu befürchten, wenn man die Ereignisse im Vorfeld betrachtet.
Hochgeputscht von den Medien, dürfte es wohl 2007 die Mitgliederversammlung sein, die auf das meiste Interesse in Freiburgs Öffentlichkeit stösst. Während viele Finkeanhänger mit einer Generalabrechnung rechnen, möchten Vorstand und viele andere Mitglieder den Verein in ruhigeres Fahrwasser bringen, um Robin Dutt und einer fast komplett erneuerten Mannschaft den Start in die Zukunft zu erleichtern. Der Verein hatte die Mitgliedsversammlung, zu der in normalen Jahren im Schnitt um die 150 Mitglieder kommen, direkt in den Paulussaal verlegt.

Als ich gegen 18.30 Uhr dort eintraf, war ich  verblüfft – fast der komplette Saal war bereits rappelvoll, am Ende sollten weit über 800 Mitglieder der Einladung des Vorstandes gefolgt sein.
SC-Präsident Achim Stocker konnte unter den Besuchern auch einiges an Lokalprominenz begrüssen – Oberbürgermeister Salomon nebst Gattin, Sozialbürgermeister von Kirchbach, Sparkassenchef Kary sowie den Staatsekretär im Finanzministerium Fleischer. Den angekündigten Günther Grass konnte ich jedoch im Publikum nicht ausmachen. Auch rund 30 Kamerateams und Journalisten hatten den Weg nach Freiburg gefunden, um direkt über die Mitgliederversammlung zu berichten.

Mitgliederversammlung im Paulussaal

Bevor Achim Stocker mit seinem Bericht beginnen konnte, wurde der Antrag gestellt, einige Sachanträge zwischen Geschäftsbericht und Entlastung des Vorstandes zu behandeln. Diesem Antrag wurde stattgegeben. Zunächst jedoch hielt Achim Stocker in einer einstündigen Rede Rückblick – auf die Entwicklung seit dem letzten Erstligaabstieg über den Verlauf der letzten Hinrunde bis zur Entlassung von Trainer Volker Finke.
Wie Stocker sagte, war die sensationelle Rückrunde (Ligarekord mit 41 Punkten) ein Wunder, das so von niemandem vorhersehbar war. Er fragte sich jedoch auch, ob die Mannschaft ohne den Rauswurf ihres Trainers nicht in ihrer Lethargie geblieben wäre. Schließlich war die Mannschaft in Hin- wie Rückrunde personell komplett unverändert.

Wie Stocker sagte, war die Angst vor dem Abstieg in die Regionalliga der einzige Grund, der zur Trennung von Volker Finke geführt hatte. Stocker schilderte den problemlosen Wechsel von Finke zu Dutt, verwies auf die Erfolge der jungen Mannschaft, die mit einem Altersschnitt von 23,2 Jahren den jüngsten SC-Kader aller Zeiten hat. Derzeit spielen 12 „eigene“ Spieler in der Mannschaft, die über die Fussballschule an den Profifussball herangeführt wurden. Der Verlust von sieben erfahrenen Stammspielern konnte durch die gestandenen Neuverpflichtungen sowie den Nachwuchs adäquat ersetzt werden, wobei am Ende noch Transferüberschüsse in siebenstelliger Höhe erzielt wurden. Am Ende seines Berichts rief Stocker zu Geschlossenheit auf und beschwor eine neue Aufbruchsstimmung für den „neuen“ SC. Finanzchef Breit übernahm es dann offensiv für den Vorstand, die vorliegenden Fragen aus der Mitgliedschaft zu beantworten. Die Initiative „Wir sind Finke“ hatte Fragen zu elf Themenkomplexen vorgelegt – 72 an der Zahl.
Neben der geheimen Abstimmung die gefordert (und mit deutlicher Mehrheit abgelehnt wurde), waren die Fragen so komplex, dass sie größtenteils entweder durch den Bericht bereits abgedeckt waren, oder vom Vorstand unter Verweis auf Interna oder bestehende Verträge nicht beantwortet wurden.  Was die anwesenden Besucher so auch größtenteils begrüssten.

Die anschliessende, teilweise tumultartige Aussprache, zwischenzeitlich moderiert von Staatssekretär Gunter Fleischer, wurde von einem Mitglied auf den Nenner gebracht. Seine Frage: „Ich verstehe nicht, warum machen wir so viel Wind um eine Normalität wie einen Trainerwechsel? Wir müssen aufpassen, uns als SC nicht lächerlich zu machen, jeder ist ersetzbar.“ Eine Fragestellung, die von den meisten Besuchern mit tobendem Applaus bedacht wurde.
Auch die Anträge auf Abwahl einzelner Vorstandsmitglieder, auf Aufnahme von Volker Finke als SC-Mitglied und viele andere Anträge wurden von großen, teilweise überwältigenden Mehrheiten der Mitglieder abgelehnt. Was von einem harten Kern der anwesenden Wir-sind-Finke Initiative mit rund 50-70 Personen teilweise lautstark abgelehnt wurde.

Nach vielen Anträgen, Abstimmungen und teilweise hochemotionalen Diskussionen endete die Mitgliederversammlung nach gut 3,5 Stunden. Auch wenn viele Fragen und Themen an diesem Abend nicht abschliessend geklärt wurden, auch wenn von allen Seiten der Neuanfang von Robin Dutt und der jungen Mannschaft hoch gelobt wurde, so zeigt sich, dass die Polarisierung und Spaltung innerhalb des Vereins nicht mit dem Ende der letzten Saison verschwunden sind. Bleibt zu hoffen, dass nach dieser Mitgliederversammlung endlich wieder Fussball das Thema ist, nicht Personenkult um Trainer, Vorstand oder sonstige Beteiligte.

 

SCF